Landrat Manfred Nahrstedt und Prof. Rolf Wernstedt bei Kranzniederlegung in Bukowiec
27. August 2007 (Landkreis Lüneburg)
(lk) Als bewegendes und beeindruckendes Erlebnis bezeichnete Landrat Manfred Nahrstedt seinen Besuch im internationalen Jugendcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Wagrowiec und die Teilnahme an zwei Gedenkfeiern. Als Kreisvorsitzender des Volksbundes ließ es sich der Landrat nicht nehmen, gemeinsam mit Prof. Rolf Wernstedt, 1. Vorsitzender des Landesverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und ehemaliger Kultusminister des Landes Niedersachsen bzw. Präsident des Nds. Landtages, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Mit dabei waren auch der Landrat des Landkreises Wagrowiec, Michal Piechocki sowie Rolf Behrmann, Landesgeschäftsführer des Volksbundes, und der Bezirksgeschäftsführer Bernd Baran.
{FOTO Kranzniederlegung in Bukowiec}
Die Gedenkfeiern in Bukowiec und Miescisko fanden zum Abschluss des Workcamps statt, zu dem Jugendliche aus Polen, der Ukraine und Deutschland im August für zwei Wochen zusammengekommen waren. Beide Gedenkstätten sind Spiegel der deutsch-polnischen Geschichte. In Bukowiec befindet sich eine Gedenkstätte für 107 polnische Intellektuelle, die 1939 durch Angehörige der SS hingerichtet wurden. Hier legten Prof. Rolf Wernstedt und Landrat Manfred Nahrstedt gemeinsam mit den Jugendlichen und dem Bürgermeister von Bukowiec Kränze nieder. Mit bewegenden Worten erinnerte Prof. Wernstedt dabei an die schreckliche Geschichte dieses Ortes.
In Miescisko, wo Grabsteine der deutschen Wongrowitzer zu einem Mahnmal zusammengeführt wurden, fand eine weitere Gedenkfeier statt. „Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“, so die Inschrift auf dem weithin sichtbaren Holzkreuz. Hier trugen zwei jugendliche Teilnehmer des Workcamps, Gerd Christian aus Hamburg und Johannes Greve aus Embsen im Landkreis Lüneburg, das Totengedenken von Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler anlässlich des Volkstrauertages 2005 vor. Tief beeindruckt von den Worten schloss sich Landrat Manfred Nahrstedt den Inhalten des Totengedenken an. Prof. Rolf Wernstedt mahnte in seiner Rede an „Nie wieder Krieg ist das Beste, was wir für die Toten tun können.“
Alle Redner dankten den Teilnehmern des Workscamps für ihre engagierte Arbeit und Aufarbeitung der Geschichte. Der besondere Dank ging an Michael Bosselmann, Jugendpfleger der Gemeinde Adendorf und Adam Malinski aus Oborniki in Polen. Beide haben das Camp geleitet und „wertvolle Arbeit für die Völkerverständigung geleistet“, würdigte Landrat Manfred Nahrstedt das Engagement. Nahrstedt versprach, auch im nächsten Jahr an der Abschlussveranstaltung des Jugendcamps teilzunehmen.
An den Feierlichkeiten nahmen auch die Bürgermeister der Gemeinden Miescisko und Scharnebeck teil. Beide Gemeinden sind durch einen Partnerschaftsvertrag miteinander verbunden. Bürgermeister Hans-Georg Führinger hatte sich mit dem Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Scharnebeck, Gerhard Druckenbrodt, und Helmut Harneit, Ehrenbürger der Stadt Wagrowiec, morgens um 5.00 Uhr auf den Weg gemacht, um an der Gedenkfeier in Miescisko teilzunehmen. Einmal mehr ein Beispiel dafür, wie tief verwurzelt die Partnerschaften zwischen den Gemeinden der Landkreise Lüneburg und Wagrowiec sind.
Hintergrund
Seit 2001 veranstaltet der Landesverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge jedes Jahr mit Jugendlichen aus den Landkreisen Wagrowiec und Lüneburg internationale Jugendcamps in Polen. Häufig sind auch Jugendliche aus anderen Ländern wie Russland oder Weißrussland dabei. Während des ersten Jugendcamps wurden die Reste des Judenfriedhofs aus dem Fluss Welna geborgen und zu einem Denkmal für die jüdische Bevölkerung zusammengestellt. Außerdem ist seit 2002 der Schwerpunkt der Arbeit die Hinterlassenschaft der deutschen Bevölkerung Wagrowiecs. Dazu werden Grabsteine der deutschen Wagrowiecer geborgen und zu Gedenkstätten zusammengeführt.
Seit 2005 wurde diese Arbeit aus der Stadt Wagrowiec auf den Landkreis ausgedehnt. In 2006 fand erstmals ein Workcamp in Miescisko statt. Die Arbeit des vergangenen Jahres wurde in diesem Jahr fortgesetzt. Zwischen dem Landkreis Lüneburg und dem Landkreis Wagrowiec besteht seit 1999 eine Partnerschaft. Auch die gemeinden beider Landkreises sind durch Partnerschaften verbunden.
Das Totengedenken im Wortlaut:
„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren haben.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder wegen einer Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurden.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.
Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt“.