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Früher genauso undenkbar wie heute -
Lüneburg ohne sein weißes Gold und die Sülfmeister


Was im Mittelalter der alten Hansestadt Ruhm und Reichtum brachte, beschert den Lüneburgern und Besuchern der Stadt in der heutigen Zeit jedes Jahr ein spannendes und ereignisreiches Wochenende mit vielen Programm-Highlights. Während der Lüneburger Sülfmeistertage feiern die Lüneburger gemeinsam mit ihren Gästen das für die Stadt so wertvolle weiße Gold. Lesen Sie hier, was es mit den Sülfmeistern in der Vergangenheit auf sich hatte und auf welche Weise die salzige Geschichte der Stadt den Sprung in die Gegenwart geschafft hat.


Die Lüneburger Sülfmeister im Mittelalter


{FOTO Salzarbeiter im Mittelalter}

Wir schreiben das Jahr 956, als Lüneburg zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Zu diesem Zeitpunkt sind die Burg und das Kloster St. Michaelis auf dem Kalkberg sowie die Sali­ne bereits vorhanden. Burg und Kloster, Saline, Rathaus und Hafen sind Ansatzpunkte für die politische und ökonomische Entwicklung der Stadt. Als Produktionsstätte des raren Gutes Salz, auch „weißes Gold“ genannt, erhält Lüneburg Gewicht in der Hanse, besonders in der Beziehung zu Lübeck, dem „Haupt der Hanse“.


Eine Vielzahl von Berufen war mit der Produktion des Salzes aus der Sole beschäftigt, von denen die Sülfmeister die Mäch­tigsten waren. Sie besaßen die Rechte über die Siedepfannen und wurden alljährlich neu eingesetzt. Dies war der Anlass für das große Kopefest, eine Art Mut­probe für die neuen Sülfmeister.


Die Kope war ein großes mit Steinen gefülltes Fass, das von Pferden im wilden Galopp durch die Straßen gezogen wurde: die Kopefahrt, begleitet von einem riesigen, spektakulären Festumzug. Ratsherren, Handwerker und Gaukler zogen mit durch die Stadt.


{FOTO Die historische Kopefahrt}
{FOTO Die neuzeitliche Kopefahrt}

Weder Kosten noch Mühen wurden gescheut. Für eine schaulustige Menge gab es allemal genug zu sehen. Am Ende des Umzuges wurden die Kopen vor der Saline feierlich mit Musik und Tanz verbrannt. Auf den Straßen und in den Gasthäusern wurde weiter gefeiert. Die ganze Stadt war auf den Beinen, auswärtige Besucher und fürst­liche Gäste kamen, um das Spektakel zu verfolgen. Die historischen Kopefahrten fallen in die Blütezeit der Salz- und Hansestadt. Die erste schriftliche Erwähnung fand sich 1472, die letzte im Jahr 1629.


Die heutigen Sülfmeistertage


{FOTO Heinrich I führt als Sülfmeister 2010 die große Kopefahrt an}

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt brachte den Bewohnern vor allem während der Hansezeit Wohlstand und Reichtum, weshalb sich daraufhin ein gewisser Stadtstolz ausbreitete. Und aus heutiger Sicht betrachtet könnte man meinen, dass sich daran nicht viel geändert hat. Gern präsentieren sich die Bürger der Stadt als freundliche und selbstbewusste Hanseaten. Kein Wunder also, dass sich die Besucher in Lüneburg sofort herzlich willkommen fühlen.

Nichts liegt unter diesen Umständen näher, als jedes Jahr die eigene Geschichte wieder aufleben zu lassen und mit Freude den Besuchern zu präsentieren. Seit dem Jahr 2003 werden deshalb die Lüneburger Sülfmeistertage veranstaltet und längst haben sie sich getreu dem historischen Vorbild zu einem der wichtigsten Volksfeste der gesamten Region entwickelt. Angefangen hat alles mit einer Teilnahme am Landeswettbewerb „Ab in die Mitte! – Die Cityoffensive Niedersachsen“. Das Veranstaltungskonzept hatte den Juroren sehr gut gefallen, die Stadt Lüneburg durfte sich zu den glücklichen Gewinnern des Wettbewerbs zählen und die Lüneburg Marketing GmbH wurde als Veranstalterin der Sülfmeistertage mit einem Preisgeld belohnt.


{FOTO Fassrollen - Das Team der Handwerker}

Auch bei den neuzeitlichen Sülfmeistertagen handelt es sich um ein großes Spektakel rund um das Salz. An drei Tagen wird in der gesamten Innenstadt gefeiert, gestaunt und angefeuert. Auf dem Marktplatz und Am Sande gibt es ein umfangreiches Musikprogramm und zahlreiche Möglichkeiten für einen geselligen Schnack. Doch dies ist nur das Beiwerk zu den Highlights: des Kopefestes sowie der Kopefahrt.


Etwas ungefährlicher als im Mittelalter geht es nun beim Kopefest zu. Die Fässer sind nicht mehr mit Steinen gefüllt und werden von Mannschaften über den Platz Am Sande gerollt. Zuvor mussten sie ihre Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer in wilden Wettspielen unter Beweis stellen. Und die Mannschaft, welche das Fass am schnellsten rollen kann, stellt am Ende den neuen Sülfmeister. Er genießt das Privileg, im Anschluss an das Fassrollen die große Kopefahrt anzuführen, einen riesigen Umzug durch die Innenstadt mit mehr als 2.000 Teilnehmern. Viele lustige und spannende Gruppen kann man bestaunen, abgerundet durch zahlreiche Musikkappellen.


{FOTO Die historische Verbrennung des Kopefasses}

{FOTO Sülfmeister Andreas beim Fassbrennen }

Auch der offizielle Abschluss der Lüneburger Sülfmeistertage wird ganz im Sinne der Geschichte abgehalten: Auf dem Platz Am Sande wird das große Kopefass feierlich verbrannt. Und um die Festatmosphäre noch zu verstärken, stimmen die Lüneburger während des Feuerwerks ihrer heimliche Stadthymne an. Singen Sie gern mit, wenn es wieder heißt „Ich bin ein Lüneburger“, Sie sind herzlich eingeladen.


Galerie: Unsere Sülfmeister der Neuzeit