Maximal fünf Kilometer beträgt die Entfernung von den verschiedenen Wohnquartieren zur Innenstadt, damit bietet die Hansestadt Lüneburg trotz einer relativ welligen Topographie gute Voraussetzungen zum Fahrradfahren.
Dies zeigt sich auch in der kontinuierlichen Steigerung des Radverkehrsanteils von 13,4 Prozent im Jahr 1994 über 17,9 Prozent (2001) auf bereits 22,1 Prozent (2007). Es ist davon auszugehen, dass das im Radverkehrskonzept Lüneburg 2015 formulierte Ziel einer Steigerung des Radverkehrsanteils auf 25 Prozent inzwischen erreicht wurde.
Dies ist unter anderem auch auf die deutlich gestiegenen Investitionen in den Radverkehr zurückzuführen. Wurden bis 2003 jährlich 75.000 Euro in die Förderung des Radverkehrs investiert, so waren es in den vergangenen fünf Jahren schon durchschnittlich 236.500 Euro.
Doch nicht nur im Stadtbild ist die deutlich gestiegene Präsenz des Radverkehrs sichtbar, auch von der Lüneburger Bevölkerung wurde in einem ADFC-Fahrradklimatest die Einschätzung abgegeben, dass das Fahrrad sich inzwischen in allen Altersgruppen als Alltagsverkehrsmittel etabliert hat und dass das Radfahren in Lüneburg mit mehr Spaß als Stress verbunden ist.
Bausteine des Radverkehrskonzeptes sind der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur (8,5 Kilometer neue Radwege in den vergangenen fünf Jahren), die Behebung baulicher Mängel (wie die Absenkung oder Ankeilung aller im Zuge von Radverkehrsanlagen befindlichen Bordsteine), die Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radfahrer, die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit sowie eine verstärkte Vernetzung der Akteure des Radverkehrs und deren Einbindung in Planungsprozesse.
Als besonders erfolgreich sind dabei die Maßnahmen zum Fahrradparken hervorzuheben. So wurden 2004 nicht nur die letzten öffentlichen Felgenkiller gegen standfestere Rahmenhalter ausgetauscht, sondern auch die Zahl sicherer Fahrradabstellmöglichkeiten in oder direkt am Rand der Fußgängerzone auf 1050 mehr als verdoppelt.
Auch gibt es seit 1997 mit dem RadspeicheR am Lüneburger Bahnhof die mit 1.300 Stellplätzen zweitgrößte Fahrradstation bundesweit. Diese personalbesetzte, gebührenpflichtige Station bietet neben der Möglichkeit des gesicherten Nachtverschlusses, der Anmietung von Gepäckschließfächern, einen Reparaturservice (morgens abgeben, abends wieder abholen) auch die Ausleihmöglichkeit von Tourenrädern und Fahrrädern mit elektrischer Unterstützung (Pedelecs).
Die nach Integration Lüneburgs in den Hamburger Verkehrsverbund 2005 weiter gestiegene Nachfrage nach Fahrradabstellmöglichkeiten am Bahnhof hat dazu geführt, dass im Mai 2013 eine zweite Fahrradstation für weitere 800 Fahrräder in Betrieb genommen wurde. Hier können die Fahrräder sogar kostenlos eingestellt werden. Damit entfällt auch die letzte Legitimation für das Fußgänger und Bahnkunden behindernde wilde Parken auf dem Bahnhofsvorplatz.
Ein sehr erfolgreiches Element der Öffentlichkeitsarbeit war ein in Zusammenarbeit mit der Leuphana Universität entwickelter und inzwischen auch vergriffener Radstadtplan, der in aktualisierter Form als Orientierungshilfe insbesondere für Neu-LüneburgerInnen beigefügt ist.
Dass trotzdem noch einiges zu tun ist, dessen ist sich die Hansestadt Lüneburg sehr wohl bewusst. So wurden aktuell für drei Hauptachsen des Radverkehrs, die nicht den Anforderungen an einen zügigen und sicheren Radverkehr genügen (Hamburger Straße, Dahlenburger Landstraße und die Straße Vor dem Neuen Tore) Förderanträge zum Ausbau dieser Routen gestellt, sodass in den nächsten drei Jahren damit zu rechnen ist, dass auch diese kritischen Stellen im Lüneburger Radverkehrsnetz beseitigt werden.